Buehnenbild_Ehrenamt_International-2012_Rueckenansichten_Foto-von-Kyung-Su-Park.jpg DRK/Kuyoung-Su Park

Auslandshelfer: Erfahrungen für NRW nutzen

Ob Flüchtlingshilfe in Griechenland, Erdbebenhilfe in Haiti oder Einsatz gegen das Ebola-Virus in Westafrika: Wenn das DRK im Ausland Hilfe leistet, sind oft Delegierte aus Nordrhein-Westfalen dabei.

Mario Lennartz ist einer von ihnen. Der Diplom-Ingenieur hatte sich schon viele Jahre lang ehrenamtlich für das DRK engagiert, zahlreiche Ausbildungen und Einsätze durchlaufen, bevor er 2010 seinen ersten Auslandseinsatz in Haiti absolvierte. Ende 2014 ging er als einer der ersten Auslandshelfer aus NRW in das Ebola-Gebiet.

Kaum war er wieder zurück, flog seine Lebenspartnerin Regine Reim in die Katastrophenregion. Für die Juristin, die beruflich bereits seit über 20 Jahren in Projekten der internationalen Zusammenarbeit tätig ist, war das kein Problem. „Ich empfinde es als sehr hilfreich, dass wir beide solche Einsätze machen“, so Reim. „Wir wissen, wie gut wir vorbereitet sind, bleiben über Skype miteinander in Verbindung und tauschen Erfahrungen aus.“

Wir helfen, weil wir es können

Kennengelernt haben sich die beiden vor rund neun Jahren bei einer Fortbildung des DRK. Für beide war klar: Das, was wir gelernt haben, wollen wir auch anwenden. So sieht das auch Joachim Gardemann. „Uns treibt das Verantwortungsgefühl: Wir helfen, weil wir es können.“  

Der Kinderarzt ist seit 1997 Professor für Humanbiologie und Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster, wo er seit 2001 auch das Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe leitet. Darüber hinaus gehört er seit 1997 zum Personalpool des DRK für die internationale Soforthilfe. Einsätze führten ihn nach Tansania, Mazedonien, in den Iran, nach Sudan – und auch nach Westafrika.

„In den Ebola-Einsatz bin ich mit sehr gemischten Gefühlen gefahren“, erinnert er sich. „Es sind so viele Menschen gestorben. Und vor dem Schutzanzug, in dem es bis zu 40 Grad heiß wurde, hatte ich großen Respekt.“ Dann aber entdeckte er, dass inmitten allen Leids die Lebensfreude überlebt hatte. „Eines Tages brachten lokale Helfer einen CD-Player mit in die Krankenstation und sie haben in Ihren Schutzanzügen mit den Erkrankten getanzt.“

Auswahl und Vorbereitung

Die Anforderungen, die das DRK an Auslandshelfer stellt, sind hoch. Neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens zweijähriger Berufserfahrung sowie Fremdsprachenkenntnissen erwartet das DRK eine Haltung des Respekts gegenüber fremden Menschen und Kulturen sowie die Identifizierung mit den Rotkreuzgrundsätzen. Unerlässlich ist die Fähigkeit, sich kurzfristig in ein multinationales Team zu integrieren. All das wird in einem strengen Auswahlverfahren abgeklopft, das mit einer Registrierung auf drkhrnet.drk.de beginnt.

Es folgen Trainings, die die zukünftigen Auslandsdelegierten mit der Arbeit und der besonderen Stellung des Roten Kreuzes in Krisen- und Konfliktgebieten vertraut machen und ihnen den Umgang mit kritischen Situationen vermitteln. Spezielle Fachkenntnisse – wie beispielsweise in der Trinkwasseraufbereitung – erwerben viele Delegierte darüber hinaus als Ehrenamtliche in den Kreis- und Landesverbänden des DRK.

Bevor es in den Auslandseinsatz geht, müssen verschiedene Dinge geklärt werden, wie beispielsweise die Freistellung vom Arbeitgeber – manchmal eine unüberwindliche Hürde.

„Ich kann die Unternehmen zwar verstehen, die nicht auf ihre Mitarbeiter verzichten wollen, aber letztendlich ist die Gesellschaft insgesamt Nutznießer humanitärer Einsätze wie in Westafrika“, sagt Regine Reim und erinnert, dass die Öffentlichkeit sehr daran interessiert war, schnell Helfer in den Ebola-Einsatz zu bringen - aus Angst, das Ebola-Virus könne nach Europa überspringen.

Erfahrungen für NRW nutzen

Auslandsdelegierte kehren mit einer Fülle neuer Erfahrungen und Kenntnisse zurück, von denen unser Land profitieren kann. Ein Beispiel ist die gewachsene interkulturelle Kompetenz.

„NRW nimmt als bevölkerungsstarkes Land sehr viele Schutzsuchende auf“, so Regine Reim. „Gerade in der Flüchtlingshilfe und Integrationsarbeit könnten wir mit unseren Erfahrungen multinationaler und interkultureller Zusammenarbeit viel zum Erfolg von Projekten beitragen.“

Mario Lennartz sieht einen weiteren Vorteil: „Wir haben gelernt, sehr flexibel zu sein, immer eine Lösung zu finden und auch mit einfachen Mitteln zurechtzukommen. Das weitet den Geist und bringt neue Impulse für den Bevölkerungsschutz.“

Impulse sieht Joachim Gardemann auch für die Wissenschaft. In NRW gibt es gleich zwei Standorte, an denen Humanitäre Hilfe gelehrt und erforscht wird: Das Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe an der Fachhochschule Münster, dem er selbst vorsteht und das Fachkräfte ausbildet, sowie die Ruhruniversität Bochum, die Mitglied eines internationalen Netzwerks von Universitäten zur Förderung der Professionalisierung der Humanitären Hilfe ist und einen Studiengang „European Master in International Humanitarian Action“ anbietet.   
„Humanitäre Nothilfe ist ohne das DRK nicht denkbar“, so Joachim Gardemann. „Eine engere Kooperation zwischen Praktikern, Wissenschaft und Politik könnte in diesem Bereich den Wissenschaftsstandort NRW stärken.“