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Vorbereitet auf unerwartete Not- und Bedrohungslagen

Ob Wirbelsturm auf den Philippinen oder Schneesturm am Düsseldorfer Flughafen, ob Epidemie in Sierra Leone oder Betreuung Evakuierter nach Bombenfund in Münster, ob Hilfe für Flüchtlinge in Syrien oder Unterbringung von Schutzsuchenden bei uns – das DRK in NRW ist auf die unterschiedlichsten Einsatzlagen im In- und Ausland vorbereitet.

In seiner Landesvorhaltung in Mönchengladbach-Güdderath und seinem Logistik-Zentrum in Nottuln lagert - von Feldbetten und Duschen über Kommunikationstechnik und Spezialgerät bis hin zu Trinkwasseraufbereitungsanlagen -  alles, um Menschen in akuter Notlage wirkungsvoll helfen zu können. Darüber hinaus stehen ehrenamtliche Spezialisten für Kommunikation und Information, für Technik und Logistik sowie für Trinkwasserversorgung bereit.

„Wir tun das, weil wir ja nicht erst Material einkaufen und Führungskräfte ausbilden können, wenn die Notlage da ist“, so Reginald Berndt, im DRK-Landesverband Nordrhein e.V. zuständig für die Organisation der Landesvorhaltung. „Wir wollen vorbereitet sein.“

Gut aufgestellt für den Ernstfall

An beiden Standorten werden beispielsweise vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWA) vorgehalten, die je 6.000 Liter Trinkwasser pro Stunde produzieren können. „Zudem sind wir in der Lage, mit Spezialfahrzeugen Trinkwasser schnell dorthin zu bringen, wo es dringend gebraucht wird“, erklärt Berndt und erinnert daran, dass im Sommer letzten Jahres aufgrund einer Sanierungsmaßnahme im Trinkwassernetz in einem Straßenzug, in dem auch eine Flüchtlingsunterkunft lag, das Wasser abgestellt werden musste. „Hier bat die Stadtverwaltung das DRK um Hilfe. Unsere Spezialisten stellten mit dem Tank-Gerätewagen 3.500 Liter Trinkwasser zur Verfügung und richteten eine Entnahmestelle ein, die dann rund um die Uhr von Helfern des DRK-Kreisverbandes betrieben wurde.“

In Nottuln und Mönchengladbach-Güdderath lagert zudem das notwendige Material für die Betreuung von jeweils 1.000 Menschen in Turnhallen – etwa zur Unterbringung Betroffener nach Evakuierungen bei Bombenfunden oder Flugausfällen durch Schneestürme. Dazu gehören Betten, Tische, Stühle, Hygienepacks und vieles mehr. Findet sich keine feste Unterkunft, sind unsere auf Technik und Logistik spezialisierten Helfer in der Lage, innerhalb kürzester Zeit eine Zeltstadt für mehrere hundert Menschen aufzubauen – samt allem, was dazugehört. Sie betreiben Spezialgeräte wie Seilwinden, Greifzüge, Beleuchtungsgeräte und Zeltheizungen.

„Gerade im Rahmen der Flüchtlingshilfe griffen Behörden oft auf unser Know-how und unser Material zurück“, weiß Vera Zerfas, Leiterin des Fachbereichs „Fachdienste“ im DRK-Landesverband Westfalen-Lippe e.V. „Im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg haben wir sogar kurzfristig eine große Lagerhalle für zusätzlich beschafftes Unterkunftsmaterial angemietet und die Transporte zu den Einrichtungen organisiert."

Spezialisten für alle Lagen

Im Bereich Information und Kommunikation stehen ehrenamtliche Fachkräfte bereit, um Funk- und Telefonnetze einzurichten und Satellitenverbindungen in Betrieb zu nehmen, die eine Kommunikation auch bei Überlastung der regulären Verbindungen oder bei Stromausfall sicherstellen.
Zwar verfügen auch andere Organisationen über Vorhaltungen, allerdings nicht mit einer ähnlich hohen Flächendeckung.

Katastrophenschutz im Wandel

Entwickelt haben sich die beiden Standorte in NRW – wie auch die Vorhaltungen des DRK-Bundesverbandes und weiterer DRK-Landesverbände - im Zuge der Neuausrichtung des Zivil- und Katastrophenschutzes.

Mit der Anerkennung des DRK als Nationale Hilfsgesellschaft durch die Bundesregierung und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zu Beginn der 50er Jahre begann der Aufbau so genannter Hilfszüge, die im Notfall mehrere tausend Personen verpflegen, sanitätsdienstlich versorgen, unterbringen und mit den notwendigen Dingen für das tägliche Leben ausrüsten konnten.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde der Zivil- und Katstrophenschutz neu geordnet und die öffentliche Hand stellte die Finanzierung der Hilfszüge ein. Das DRK entschloss sich, einige Standorte aus eigenen Mitteln weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Ziel war und ist es, bei großen und überraschend eintretenden Lagen, bei denen mehr Material und Einsatzkräfte gebaucht werden, als der Bevölkerungsschutz vor Ort vorhält, handlungsfähig zu bleiben und helfen zu können.

Verlässlicher Partner im Bevölkerungsschutz

Wie weitsichtig und notwendig dies ist, haben zahlreiche Einsätze gezeigt. Jüngste Beispiele sind die Unterbringung, Versorgung und Betreuung der hohen Zahl geflüchteter Menschen oder die große Elbeflut im Jahr 2013. Hier hat sich das DRK in NRW einmal mehr als verlässlicher Partner der Behörden gezeigt – und für unzählige Menschen als Helfer in der Not.

Das Besondere: Spezialkräfte und Material an den beiden Standorten in NRW hält das DRK zu 100 Prozent aus eigenen Mitteln vor. Sie unterstehen daher nicht den Behörden und machen das Rote Kreuz somit unabhängig – nicht zuletzt auch für Unterstützungsbedarfe der Schwestergesellschaften anderer Länder bei Naturkatastrophen.

Selbstverständlich ist das DRK darüber hinaus in den Bevölkerungsschutz des Landes eingebunden. So stellt es in NRW insgesamt 148 Einsatzeinheiten, 2 Wasserrettungszüge und rund 30.000 aktive Helfer zur Verfügung.
Bei den verschiedenen Einsatzformationen handelt es sich um ein modulares System verschiedener Fachdienste und -gruppen wie beispielsweise Sanitätsdienst, Betreuungsdienst, Technik und Sicherheit, Information und Kommunikation oder Wasserwacht. Bei Unfällen und Katastrophen kommt auch der DRK-Suchdienst zum Einsatz. Er stellt Nachforschungen nach Vermissten an und sorgt für die Familienzusammenführung.

Auch über die Feiertage werden die DRK-Einsatzleitstellen besetzt und die Aktiven des Roten Kreuzes sofort zur Stelle sein, wenn es gilt, Menschen in Not zu helfen.