tagespflege-header__2_.jpg Foto: A. Zelck / DRK

Fachkräftemangel in der Altenpflege – Positionen und Projekte des DRK

Das DRK spürt ihn schon jetzt – den zunehmenden Fachkräftemangel in der Altenpflege. Immer öfter können Stellen im stationären oder ambulanten Bereich nicht zeitnah besetzt werden.
Diese Situation wird sich noch verschärfen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen und geburtenschwache Jahrgänge die Pflege übernehmen müssen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des BMWi kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2030 um 27% auf 3,34 Mio. steigen wird. Daraus resultiere ein zusätzlicher Personalbedarf von 55.000 Vollzeitkräften im stationären und 36.000 Vollzeitkräften im ambulanten Bereich.
Um diesen Bedarf decken zu können, bedarf es aus Sicht des DRK einer Aufwertung der Pflegeberufe. Es muss für Menschen deutlich attraktiver werden, in der Altenpflege zu arbeiten – beispielsweise durch
-    eine umfassende Reform der Ausbildung (Vereinheitlichung der Ausbildung in Kranken- und Altenpflege) mit dem Ziel einer größeren Eigenverantwortlichkeit,
-    Entbürokratisierung der Pflegedokumentation,
-    höhere Entgelte,
-    mehr Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben,
-    Aktivitäten zur Steigerung der gesellschaftlichen Anerkennung der enormen Leistungen der Pflegefachkräfte.
Die erleichterte Anerkennung von gleichwertigen Berufsabschlüssen sowie ein erweitertes Angebot spezieller (Sprach-)Schulungen könnte zudem helfen, Menschen mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe zu gewinnen – und damit Neuzuwanderer und Flüchtlinge schneller in Beschäftigung zu bringen.
Das DRK belässt es jedoch nicht bei diesen Positionen, sondern wird auch selbst aktiv. Das zeigen die beiden folgenden Beispiele. 

Projekt: Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte aus dem EU-Raum

Der DRK-Landesverband Nordrhein unterstützt Kreisverbände, die Träger von Pflegeeinrichtungen sind, bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte aus dem EU-Raum. Ziel ist ein strategisches Personalmanagement zur Sicherung der erforderlichen personellen Vorhaltungen.

Ein Anwerben von Pflegekräften aus Ländern, die selbst Mangel an Pflegepersonal haben, lehnt das Deutsche Rote Kreuz jedoch aus humanitären Gesichtspunkten ab. Um also sicherzustellen, dass nur Fachkräfte aus Ländern angeworben werden, in denen Pflegekräfte zurzeit Schwierigkeiten haben, eine Anstellung zu finden, kooperiert das DRK mit EURES (EURopean Employment Services), dem 1993 gegründeten, europaweiten Netzwerk zur Förderung der Mobilität im Bereich des Arbeitsmarktes.

Zu den Partnern des Netzwerks gehören öffentliche Arbeitsverwaltungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. Das Netz wird von der Europäischen Kommission koordiniert. Partner in Deutschland ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV),eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit.
Zum Unterstützungsangebot des Landesverbandes gehören u.a. eine zentrale Stellenausschreibung im EURES-Netzwerk sowie die Beratung der DRK-Einrichtungen bei allen organisatorischen Fragen – von der Bewerbervorauswahl über Regelungen zum notwendigen Spracherwerb bis hin zum Arbeitsvertrag.

Wesentlicher Punkt ist eine erfolgreiche Willkommenskultur. So werden Bewerbern dreitägige Hospitationen in den Einrichtungen angeboten, damit sie Umfeld und Arbeitssituation in Ruhe kennenlernen können. Entscheiden sie sich für eine Mitarbeit, erhalten sie Hilfen bei Umzug und Wohnungssuche. Darüber hinaus steht ihnen in der jeweiligen Einrichtung ein Integrationsscout für alle Fragen rund um das Leben und die Arbeit im neuen Land zur Seite.

Dieses Konzept beruht auf den positiven Erfahrungen eines vorangegangenen Pilotprojekts des Landesverbandes in den Jahren 2014 und 2015: Von den neun angeworbenen Fachkräften arbeiten noch heute sechs in DRK-Einrichtungen.

Kontakt: Sabine Wietkamp, Human Resources Managerin im DRK-Landesverband Nordrhein e.V., s.wietkamp@drk-nordrhein.net, Tel: 0211 31 04 132

Sicherheitsforschung: KOPHIS – Kontexte von Pflege- und Hilfebedürftigen stärken

Pflege- und hilfebedürftige Menschen stehen nicht nur im Fokus der sozialen Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes. Auch als Bevölkerungsschutzorganisation hat das DRK die besondere Situation dieser Menschen im Blick.

Denn: Bei Extremwetter- und anderen Katastrophenlagen wächst die Herausforderung, Pflegebedürftige zu versorgen – beispielsweise, weil Angehörige oder Pflegekräfte sie nicht mehr erreichen können und gleichzeitig der Unterstützungsbedarf möglicherweise steigt.

In derartigen Situationen stehen Rettungskräfte vor der Frage, welche Personen in der Umgebung welche Hilfe benötigen und wer die Versorgung oder  Evakuierung  unterstützen kann.

Das Projekt KOPHIS stellt sich dieser Herausforderung: Ziel ist, Netzwerke aus Behörden, Pflegeinfrastrukturen, Angehörigen und aktiven zivilgesellschaftlichen Akteuren aufzubauen und zu stärken. Hierzu werden gemeinsam mit den Betroffenen und Ihren Angehörigen sowie den Netzwerken Unterstützungsbedarfe ermittelt und darauf aufbauend Konzepte und Informationsmaterialien erarbeitet.

Das Verbundprojekt wird im Rahmen des Programms Forschung für die zivile Sicherheit: „Zivile Sicherheit – Erhöhung der Resilienz im Krisen- und Katastrophenfall“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Unter Leitung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind die Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universität Berlin, das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart, das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie das Zentrum für Telemedizin (ZTM) Bad Kissingen GmbH beteiligt. Projektträger ist die VDI Technologiezentrum GmbH. Das Forschungsprojekt KOPHIS hat eine Laufzeit von 3 Jahren und startete am 1. Februar 2016.

Als Modellregion wurde die Stadt Willich ausgewählt. Denn zur praxisnahen Forschung gehört, dass an bestehenden Strukturen geforscht wird. Willich empfahl sich unter anderem durch die große Präsenz und Vielfalt von Einrichtungen und Diensten der DRK-Altenhilfe.  

Weitere Informationen: www.kophis.de
Kontakt: Matthias Max, DRK e.V., Verbundkoordinator, sicherheitsforschung@drk.de
Ruth Winter, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DRK-Landesverband Nordrhein e.V., r.winter@drk-nordrhein.net, Tel.: 0211 31 04 138