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Sicher im Wasser: Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen fördern

Auch wenn die Zahlen in Studien und Erhebungen differieren: Klar ist, dass die Zahl der Kinder, die nicht oder nicht richtig schwimmen können, viel zu hoch ist.
Diese Situation hat negative Folgen für die Gesundheit von Heranwachsenden – und für ihre Sicherheit. Die wachsende Zahl von Ertrinkungstoten in NRW gibt davon Zeugnis.
Der frühzeitige Erwerb der Schwimmfähigkeit ist somit kein Luxus, sondern überlebensnotwendig. Darin sind sich die Experten aus Politik und Wissenschaft einig. Das zeigte nicht zuletzt die Anhörung des Sportausschusses im Düsseldorfer Landtag am 26. April 2016. Sie machte auch deutlich, dass es viele Gründe für diese alarmierende Entwicklung gibt – und mindestens ebenso viele Ideen und Forderungen, ihr zu begegnen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Definition des Begriffs „Schwimmfähigkeit“. Vorliegende Statistiken beruhen auf unterschiedlichen Definitionen, so dass es keine repräsentativen Daten zur tatsächlichen Anzahl von schwimm(un)fähigen Kindern gibt – und damit auch keine einheitliche Grundlage, auf der Lösungen diskutiert werden können.

Positionen des DRK in NRW

Für die DRK-Wasserwacht in NRW gelten diejenigen als schwimmfähig, die die Grundfertigkeit des Schwimmens beherrschen und - in Anlehnung an das Deutsche Jugendschwimmabzeichen Bronze - schwimmerische Basiskompetenzen nachweisen können.
Neben der Kenntnis der Baderegeln gehört dazu, 200 Meter in maximal 15 Minuten zu schwimmen, einmal ca. zwei Meter Tieftauchen (von der Wasseroberfläche mit Heraufholen eines Gegenstandes) sowie ein Sprung aus ein Meter Höhe oder ein Startsprung.
Erst der Nachweis dieser Kompetenzen gewährleistet unseres Erachtens ein Minimum an Sicherheit im Wasser – und damit auch die Fähigkeit zur Rettung und Selbstrettung.
Das DRK in NRW fördert die Erlangung dieser Fähigkeiten mit zahlreichen Angeboten. Vorstellen möchten wir im Folgenden zwei Projekte, in deren Fokus junge Flüchtlinge und Kindertagesstätten stehen. Hintergrund ist,

  • dass Kinder aus Migrantenfamilien zu Hause deutlich seltener ermuntert oder gefördert werden, Schwimmen zu lernen - angesichts Tausender zugereister Flüchtlingskinder allein in NRW eine große Aufgabe für Politik, Schulen und Kommunen;
  • und dass es zur Erlangung der Schwimmfähigkeit wichtig ist, so früh wie möglich mit der Wassergewöhnung zu beginnen und die Kinder an das Element Wasser heranzuführen. 

Projekt: Schwimmunterricht in Kindertageseinrichtungen

S. Ebner/DRK-LV Westfalen-Lippe

Um Kinder möglichst früh an das Element Wasser zu gewöhnen und ihnen Spaß an der Bewegung im Wasser bis hin zum Erwerb der Schwimmfähigkeit zu vermitteln, startete der DRK-Landesverband Nordrhein im Februar das Pilotprojekt KITA. Es ermöglicht Fünf- bis Sechsjährigen im letzten Kita-Jahr, wöchentlich eine Schwimmunterrichtsstunde zu besuchen.

Die Wassergewöhnungs- und Schwimmausbildungsstunden werden von der DRK-Wasserwacht Nordrhein gemeinsam mit Kreisverbänden und Kindertageseinrichtungen vor Ort geplant und durchgeführt. Bereits jetzt haben sich Initiativen in mehreren Kreisverbänden gegründet.

Es wird angestrebt, Erzieherinnen und Erziehern sowie interessierten Eltern Fortbildungen im Bereich der Schwimm- bzw. Rettungsschwimmausbildung anzubieten, sodass sie den Unterricht als Betreuer oder Übungsleiter aktiv mitgestalten können.

„Wir stellen in den Kitas ein sehr großes Interesse fest, das Projekt langfristig und nachhaltig mit der Unterstützung der DRK-Wasserwacht in den Kindergartenalltag zu implementieren. Das bestärkt uns in unserem Ziel, das Pilotprojekt KITA zukünftig flächendeckend anbieten zu könnten, so dass möglichst viele Kinder von dem Angebot profitieren können“, so Ricarda Prince, Referentin Schwimmen im DRK-Landesverband Nordrhein.

Kontakt: Ricarda Prince, Referentin Schwimmen im DRK-Landesverband Nordrhein, Tel.: (0211) 3104-139. Mail: r.prince@drk-nordrhein.net

Projekt: Schwimmangebot für junge Flüchtlinge

In den Osterferien folgten viele junge Flüchtlinge der Einladung der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Witten zu einem ganz besonderen Angebot rund um den Schwimmsport, dem sogenannten „Schwimmbad-Knigge. Rund 40 Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern, viele davon unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, nahmen an den vier Kursen teil, die jeweils eine Woche lang täglich im Rahmen der Wittener Partnerschaft für Demokratie durchgeführt wurden.
Gemeinsam mit dem ehrenamtlichen DRK-Ausbilderteam erlernten die Mädchen und Jungen die Baderegeln, erkundeten verschiedene Schwimmbäder und erfuhren dabei viel über Eintrittspreissysteme oder Hygiene im Schwimmbad. Fachkundig begleitet entwickelten sie darüber hinaus ihre individuelle Schwimmfähigkeit und setzten sich intensiv mit den Gefahren von öffentlichen Gewässern auseinander.

Die positive Resonanz auf dieses Angebot ermunterte das DRK in Witten, ein Anschlussprojekt ins Leben zu rufen: Einmal pro Woche können Flüchtlinge im Schwimmbad einer Grundschule seitdem das Schwimmen lernen bzw. ihre vorhandene Schwimmfähigkeit ausbauen.

„Natürlich sind bei uns alle Menschen, die das Schwimmen lernen und vertiefen wollen, herzlich willkommen. Besonders wird unser Angebot allerdings dadurch, dass wir über die Flüchtlingshilfe zahlreiche Dolmetscher in allen möglichen Sprachen gewinnen konnten, die nun unser Team verstärken und mit viel Herzblut dabei sind“, freut sich Tanja Knopp, Rotkreuzleiterin im Kreisverband Witten und im Landesverband Westfalen-Lippe.

Kontakt: Bastian Wiebusch, Fachdienstleiter Bevölkerungsschutz Wasserwacht, DRK-Kreisverband Witten, Tel: 02302 91016-35, Mail: wiebusch@drk-witten.de 

Ausblick: NRW-Tag

Wesentlicher Erfolgsfaktor für derlei Angebote ist das Netzwerk des DRK. Denn hier arbeiten ehren- und hauptamtliche Fachkräfte der Wasserwacht, des Jugendrotkreuzes, der Kindertageseinrichtungen und Flüchtlingsunterkünfte, der Seniorenarbeit oder Familienbildungswerke Hand in Hand zusammen.
Dabei steht das DRK jedoch vor der Herausforderung, dass immer mehr Bäder ihren Betrieb einstellen oder bereits ausgelastet sind – ein Hemmschuh für alle Aktivitäten, die Schwimmausbildung auszubauen und Kindern frühzeitig die Möglichkeit zu geben, das Schwimmen zu erlernen.

Dennoch: Mit seinen vielfältigen präventiven Maßnahmen - wie beispielsweise das Juniorretter-Camp, die Ausbildungen für Rettungsschwimmer und –taucher, die Sanitätsdienste in Schwimmbädern, bei Veranstaltungen oder an Gewässern -  leistet das DRK einen unverzichtbaren Beitrag zur Verminderung von Ertrinkungsunfällen und zur Förderung der Gesundheit der Bevölkerung.
Aktiv beteiligt sich das DRK zudem an Landesprogrammen wie „NRW kann schwimmen!!“ und steht gern als Ansprechpartner für alle Fragen und Anregungen rund um die Schwimmausbildung zur Verfügung.

Die DRK-Experten für Sicherheit am, im und auf dem Wasser finden Sie auch auf dem NRW-Tag am 27.08-28.08.2016 in Düsseldorf! Besuchen Sie uns an unserem Stand auf der Blaulichtmeile und machen Sie sich einen Eindruck von der Jugendarbeit in der DRK-Wasserwacht - mit vielen Aktionen für Groß und Klein. Wir freuen wir uns auf Sie!